Bundesweit erste Biogasanlage mit stromnetz- und marktoptimierter Fahrweise geht in Live-Betrieb

Die Biogasanlage in Zellerfeld (Egling an der Paar) hat eine installierte Leistung von 1,4 MWel und eine Bemessungsleistung von 820 kWel. Die angrenzende PV-Anlage verfügt über eine Peak-Leistung von 5 MWel. Der für beide Anlagen bestehende Netzverknüpfungspunkt ist mit einer maximalen Leistung von 5 MWel begrenzt, wodurch ein innovatives Einspeisemanagement auf Seiten der BGA erforderlich war. Quelle: THI

BHKW – Einsatz und Gegenüberstellung der durch die Steuerung geplanten vs. tatsächlich eingespeisten Leistung der BHKW Quelle: THI

Ingolstadt, 04.07.2017 Im Rahmen des vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Forschungsprojekts „FlexFuture“ wurde von Wissenschaftlern des Instituts für neue Energie-Systeme (InES) der Technischen Hochschule Ingolstadt ein innovatives Einspeisemanagement für Biogasanlagen entwickelt. Erstmals werden dabei tagesaktuelle Strompreise sowie die Stromproduktion umliegender Photovoltaik-Anlagen berücksichtigt. Damit existiert nun die bundesweit erste Anlage, die tatsächlich strommarkt- und netzgetrieben, automatisiert optimiert betrieben wird.Biomasse soll und kann als einzige Erneuerbare Energie einen Ausgleich zu den fluktuierenden Stromerzeugern wie Windkraft und Photovoltaik (PV) leisten. Vor diesem Hintergrund wurde eine Steuerung für Biogasanlagen (BGA) entwickelt, welche bei gleichzeitiger Optimierung des Umsatzes für BGA-Betreiber, Stromeinspeiseprofile aus Photovoltaikanlagen ausgleicht. „Die flexible Stromproduktion der Biogasanlagen führt so letztendlich zu einer kostenoptimierten Auslastung und Betriebsweise der angrenzenden Verteilnetze“, so Prof. Wilfried Zörner, wissenschaftlicher Leiter des InES.Die Innovation liegt darin, dass die wissenschaftlich entwickelte Steuerung zur Vermeidung von Stromnetzengpässen, verursacht durch lokale PV-Einspeisung, Einspeisemanagement betreibt. Mittels berechneter maximaler Einspeisekurven von PV-Anlagen unter den oben genannten Restriktionen wird sowohl die Gesamteffizienz der BGA verbessert als auch die regionale Stromnetzinfrastruktur optimal genutzt. Es werden Fahrpläne für die BGA bereitgestellt, welche den tagesaktuellen Strompreis der europäischen Strombörse EPEX SPOT SE, tagesaktuelle Wetter- und Einstrahlungsprognosen sowie den aktuellen Gasspeicherfüllstand berücksichtigen. „Bereits in der Vergangenheit haben wir mit unseren Forschungsprojekten dazu beigetragen, die flexible Stromerzeugung mit Biogasanlagen weiter zu optimieren und so einen wertvollen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Dass wir nun ein innovatives Einspeisemanagement an einer realen Biogasanlage implementieren konnten, freut uns sehr“, so Matthias Sonnleitner, Leiter des Forschungsbereichs Bioenergietechnik des InES. Die entwickelten und umgesetzten Optimierungsmaßnahmen können grundsätzlich auf andere BGA übertragen werden und dienen somit als Basis für eine deutschlandweite Umsetzung der flexiblen Fahrweise an bestehenden und zukünftigen Biogasanlagen.Die Entwicklung der Steuerung wurde im Rahmen des Projekts „ FlexFuture - Integration von Biogasanlagen in Netze mit hohem Anteil fluktuierender Stromerzeuger“, gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, entwickelt. Projektpartner sind UTS Biogastechnik GmbH, Burghart GmbH & Co. KG, PROLiGNIS Energie Consulting GmbH, Lechwerke AG, Lechwerke Verteilnetz GmbH und Biogas Zellerfeld GmbH & Co. KG.

 

Kontakt:                      
Institut für neue Energie-Systeme (InES)
Matthias Sonnleitner
(Technologiefeldleiter Bioenergietechnik)
Tel.: 0841 9348-6490
Matthias.Sonnleitner@thi.de